Mémoire des Vins Suisses
Reflexionen · 2011

Thomas Mattmann fehlt uns

Das Mémoire des Vins Suisses verliert mit dem unerwarteten Tod des Winzers aus Zizers ein aussergewöhnlich engagiertes Mitglied, dem immer auch das Wohlergehen des Vereins am Herzen lag.

Thomas Mattmann war kein einheimischer Bündner Winzer. Er war ein Zugezogener und Quereinsteiger. 1971 als Bauernbub im luzernischen Malters geboren, entschloss er sich erst nach einer Lehre als Chemielaborant für eine Laufbahn als Winzer. Er machte damit aus dem Hobby einen Beruf, denn schon als Kind hatte er, wie er einmal lachend gestand, «lieber die Flaschen im elterlichen Weinkeller umgelagert als auf dem Feld gearbeitet» und ist dann später dem Weinvirus erlegen.

Seine erste Stelle als Kellermeister nach Winzerlehre und erfolgreich abgeschlossenem Önologenstudium fand Mattmann auf Schloss Reichenau bei Gian-Battista von Tscharner. 2003 wurde er dank seiner brillanten Nase und einem ausgeprägten analytischen Erinnerungsvermögen Schweizer Meister im Weindegustieren. 2005 trat er an die Spitze der inzwischen in Cicero Weinbau umgetauften Firma Jakob Hutter. Thomas Mattmann war nicht nur gut ausgebildet, sensorisch begabt und als Marathonläufer sportiv und ausdauernd. Er galt auch als begabter Kommunikator und ein gewisses Sendungsbewusstsein war ihm nicht abzusprechen.

Zielstrebig baute er das Sortiment aus und erabeitete sich mit einer stetig steigenden Qualität den Respekt seiner anfänglich skeptischen Bündner Berufskollegen. Innovationsgeist, Fleiss und die Chance, als Auswärtiger weniger Rücksicht auf Empfindlichkeiten nehmen zu müssen, kamen ihm beim raschen Aufstieg zu Hilfe. Er erntete in der Fachpresse, in Büchern und bei Verkostungen grosse Erfolge. Den Stolz darauf wollte er nicht verbergen. Mit seinem besten, selbstbewusst «Der Mattmann» genannten Pinot Noir ins Mémoire des Vins Suisses berufen zu werden, war ihm Freude, aber auch Verpflichtung. Er zeichnete sich darin als ebenso engagiertes wie kritisches Mitglied aus.

Thomas Mattmann hinterlässt ein reiches und anspruchsvolles Erbe. Glücklicherweise ist es in gute Hände geraten: Sein Nachfolger Marco Casanova hat schon die Jahre zuvor eng mit ihm zusammengearbeitet. Er teilt seine puristische Weinphilosophie und ist den ersten selbstverantworteten Jahrgang mit viel Vertrauen in die Substanz dieser Hinterlassenschaft angegangen.

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Text: Martin Kilchmann
Martin Kilchmann ist
Gründungsmitglied des
Mémoire des Vins Suisses.