Mémoire des Vins Suisses
Reflexionen · 2010

Die Rebberge von Visperterminen klettern bis auf 1150 Meter.

Die Wahrheit über den Heida

Der Heida oder Païen ist seit dem Mittelalter im Oberwallis und seit 2010 auch im Mémoire des Vins Suisses anzutreffen. Besonders berühmt ist der Heida aus den hoch gelegenen Rebbergen von Visperterminen.

Die im Oberwallis Heida und im französischsprachigen Wallis Païen genannte Rebsorte ist nichts anderes als der Savagnin Blanc des französischen Juras, aus welchem man den berühmten Vin Jaune keltert. Sie tritt zum ersten Mal im Wallis unter dem Namen «Heyda» in einem Beschluss des Zehehtenrates von Visp in Erscheinung, datiert vom 29. November 1586: «den bösten Roten Rÿebe wÿn unndt heÿda», was heisst «die besten Rotweine aus Rÿebe und heyda». Wenn «Heyda» zweifellos der heutigen Heida entspricht, so bezeichnet der Begriff «Rÿebe» keinesfalls eine Rebsorte, sondern den unteren Teil des berühmten Rebberges von Visperterminen, den man noch heute Ribe nennt und der damals mit roten Rebsorten bepflanzt war. Der Name «Païen» fand erst später Erwähnung und zwar in der süffigen «Description du département du Simplon, ou de la ci-devant république du Valais», die 1812 von Hildebrand Schiner verfasst wurde. Es gibt keinerlei religiöse Konnotation, da es sich um eine wörtliche Übersetzung des Oberwalliser Dialektes handelt, wobei «Heiden» alt, ehemalig bedeutet, mit Bezug auf die Zeit vor dem Christentum, die Zeiten der Heiden, ein Spitzname, den man in den «Heidenhäusern» (alte Häuser) wiederfindet, oder im Wort «Heido», Name der ältesten «Bisse» von Visperterminen.

Der Ausdruck «Traminer-Familie» ist nicht korrekt. Zu einer Familie gehört ein Vater, eine Mutter, Kinder, Onkeln und Tanten usw. Der Savagnin Blanc aus dem Jura, der Heida aus dem Oberwallis, der Païen aus dem Zentralwallis, der Traminer oder Gewürztraminer aus dem Elsass und dem Südtirol usw. sind jedoch nur Synonyme derselben Rebsorte. Tatsächlich wechseln die Rebsorten während ihren Reisen oft ihren Namen, und Mutationen, die durch Zufall aus verschiedenen Vermehrungen entstanden, bringen spezielle Formen derselben Rebsorte hervor, wie der Gewürztraminer (oder Traminer Aromatico im Trentino), welcher das Resultat einer doppelten Mutation aus Aromen (Gewürz) und Farben (rötliche Beeren) ist. Der Heidarot oder Roter Traminer mit roten Beeren ist eine andere Mutation von Farben, die man bereits im Ausland kennt und die wir 2006 zum ersten Mal in Visperterminen zusammen mit dem Produzenten Josef-Marie Chanton gesehen haben. Alle diese Arten sind also nur mehr oder weniger spektakuläre Mutationen derselben Rebsorte. Man kann also deshalb nicht von de «Familie der Savagnins» sprechen oder der «Familie der Traminer». Hingegen ist es vor einiger Zeit dank eines DNA-Testes gelungen, eine Eltern-Kind-Verbindung zwischen dem Pinot und dem Savagnin Blanc auszumachen: Der eine ist der Vater des andern, aber ohne den andern Elternteil ist die Definition der Abstammung nicht möglich.

Ob es sich um Visperterminen (Wallis), Morgex et La Salle (Aostatal), die Pyrenäen oder einen andern Ort handelt, rühmen sich viele Gegenden, den höchsten Rebberg Europas zu besitzen. Angefangen beim Rebberg von Visperterminen, dessen Reben bis auf 1150 Meter Höhe wachsen und der im oberen Teil mehrheitlich mit Savagnin Blanc bestockt ist. Wenn dieser Rebberg in der Schweiz zweifellos der höchste ist, so kann er den Titel von Europas höchstem Rebberg nicht für sich beanspruchen. Im Aostatal wird aus der Sorte Prié der rare Vin Blanc de Morgex et de La Salle im Valdigne-Tal produziert, wo die Reben in dem zur Gemeinde La Salle gehörenden im Weiler Cottin bis auf einer Höhe von 1225 Meter wachsen. Hier werden die Reben noch nach der traditionellen niedrigen Pergola-Methode kultiviert, bei der die Rebstöcke durch vertikale Steinpflöcke von etwa 1,50 Meter Höhe gestützt werden. Diese haben den Vorteil, während des Tages die Hitze zu speichern und sie in der Nacht wieder zurückzugeben. Hier handelt es sich um den höchsten Rebberg Kontinentalitaliens, aber nicht Europas. In den östlichen Pyrenäen wurde 1984 auf einer Höhe von 1300 Meter in Sainte-Léocadie im Vorgebirge der Cerdagne nahe der spanischen Grenze ein kleiner Rebberg angepflanzt. Der «Clos Cal Mateu» zählt 450 Stöcke von drei verschiedenen Sorten: Muscat Blanc à Petits Grains, Chasselas und Riesling. Es handelt sich hier zweifellos um den höchsten Rebberg Frankreichs, aber noch immer nicht Europas. In Spanien gibt es tatsächlich mehrere Rebberge, die über 1300 Meter liegen, wobei es sich beim höchsten um den Barranco Oscuro in der Sierra de la Contraviesa-Alpujarra nahe Granada handelt, wo die Sorten Grenache, Syrah, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Tempranillo auf einer Höhe von 1320 bis 1368 Meter wachsen. Dieser Rebberg von 3,2 Hektaren, der zwischen 1983 und 1989 angelegt wurde und die bekannte Cuvée 1368 Pago Cerro Las Monjas hervorbringt, kann als höchster Rebberg Kontinentaleuropas bezeichnet werden. Spricht man jedoch von Europa im politischen Sinne, so befinden sich die höchsten Rebberge auf Teneriffa (Spanien): Mit seinen 1700 Metern ist der zur Bodega Tierra de Frontos gehörende Rebberg Los Frontones im weitesten Sinne der allerhöchste von Europa. Er gehört zur Appellation Abona und ist ausschliesslich bepflanzt mit Listan Blanc, lokaler Name des Palomino Fino. Aus ihm wird die Cuvée Jable Blanco Seco gekeltert.

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Text: José Vouillamoz
Dr. José Vouillamoz ist Genetiker-Ampelograph an der Universität Neuenburg.