Mémoire des Vins Suisses
Reflexionen · 2010

Und es gibt ihn doch!

Der Präsident von Swiss Wine Promotion ist bekannt für sein geflügeltes Wort «Le vin suisse n’existe pas» (Schweizer Wein gibt es nicht). Der Ausspruch mag erstaunen für den Präsidenten einer Organisation, die sich die Förderung des Schweizer Weins auf die Fahne geschrieben hat. Aber er meint es nicht so. Als Walliser Winzer weiss er sehr wohl, dass es Schweizer Wein gibt. Nur existiert er nicht in den Köpfen der in- und schon gar nicht der ausländischen Konsumenten. Daran ist allerdings die Schweizer Weinpromotion mit schuld. Denn das Gremium, das sich aus Vertretern der einzelnen Regionen zusammensetzt, tut sich mit nationaler Weinwerbung schwer. Schweizer Wein ist für diese Vertreter in erster Linie Walliser, Waadtländer, Genfer, Tessiner und vielleicht auch noch Neuenburger und Deutschschweizer Wein. Und genau da liegt das Malaise. Der Kantönligeist führt dazu, dass die Kantonsgrenzen häufig stärker sind als die Landesgrenzen. Diese mentalen Grenzen versuchen die Mitglieder des Mémoire des Vins Suisses zu überwinden. Zwar sind auch sie in der Region verwurzelt, aber die regelmässigen freundschaftlichen Kontakte über den Rösti- und den Risottograben hinweg haben zu einer Erweiterung des Horizonts geführt. Mémoire-Winzer wissen aus eigener Erfahrung, dass auch anderswo gute Weine gemacht werden. Und dass man nur gemeinsam stark ist. Das haben zahlreiche, viel beachtete Auftritte gezeigt. Es gibt ihn eben doch, den Schweizer Wein!

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Text: Andreas Keller
Andreas Keller ist
Gründungsmitglied des
Mémoire des Vins Suisses.